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Aufsitzhilfe – Sanft aufs Pferd steigen – Sinnvoll oder nicht???

Geschrieben am 02. Jan. 2013

Herkömmliches Aufsitzen ist für das Pferd jedes Mal eine Belastung – körperlich und nervlich. Kein Wunder, wenn die Wirbelsäule des Pferdes beim Aufsteigen zwangsläufig zur Seite gezogen wird. So haben Wissenschaftler beispielsweise ermittelt, dass bei einem Pferd mit dem Stockmaß von 1,70 Meter, das von einem 80 Kilogramm schweren Reiter von der Erde „erklommen” wird, eine Kraft von 38 Kilogramm seitlich auf den Sattel wirkt. Benutzt aber derselbe Reiter beim selben Pferd eine Aufstiegshilfe von nur 30 Zentimetern Höhe, verringert sich diese Kraft um 55 Prozent auf 17 Kilogramm. Dieser seitliche Zug belastet natürlich die Wirbelsäule des Pferds erheblich, da sich die langen Dornfortsätze speziell des Widerrists verdrehen, und kann bei empfindlichen Pferden auf die Dauer sogar Sattelzwang erzeugen. Um diesen Misstand zu beheben, gab es bisher immer wieder Ansätze. Aber nie eine praxisgerechte Lösung.

Zur Entlastung des Pferderückens und zur Unterstützung des Reiters wird in den FN Richtlinien für Reiten und Fahren Band I die Benutzung einer Aufsitzhilfe als vorteilhaft empfohlen.
Insbesondere in Deutschland wird die Verwendung einer Aufsitzhilfe für Reiter recht wenig propagiert. Im Allgemeinen herrscht die Meinung vor, das Aufsitzhilfen nur von denjenigen
verwendet werden, die sonst nur mit großer Mühe auf ihr Pferd kommen. Fürsprecher behaupten schon lange, dass die Belastung für den Pferderücken – im Besonderen der seitliche Zug auf die Wirbelsäule – erheblich verringert werden und die Pferde deshalb auch bereitwilliger stehen bleiben würden, weil es für sie angenehmer ist. Auch Sattelzwang empfindlicher Pferde und das „Verziehen“ von Sätteln soll deutlich vermindert werden.
Im Freien kann man unproblematisch Gartenbänke, Baumstämme usw. zu einer vorübergehenden Aufsitzhilfe umfunktionieren. Anders ist es im Winter und an Regentagen, wenn in der Halle geritten wird. Immer wieder ist zu beobachten, wie z.B. Cavaletti, Hindernismaterial oder sogar auch Stühle als Aufsitzhilfe herhalten müssen. Hinderlich ist, dass diese provisorischen Hilfen in der Bahn verbleiben oder von hilfreichen Händen heraus getragen werden müssen. Gedanken zur Lösung dieses Problems hat man sich nachweislich schon seit mehr als 120 Jahren gemacht.
Einen anderen Weg ist ein Unternehmen aus Münster gegangen. Es hat eine in die Bande integrierte Aufsitzhilfeentwickelt, die nur vorhanden ist, wenn sie auch gebraucht wird und lautlos wieder verschwindet.

Aufsitzhilfe von Mounty

Die klaren Aussagen zu dieser neuartigen Konstruktion
• Entlastung des Pferderückens • Verminderung der nervlichen Anspannung für das Pferd • Vermeidung von schiefen Sätteln • Einfacheres Aufsitzen
waren genügend Veranlassung für die Deutsche Akademie des Pferdes, sich einmal intensiver mit dem Thema zu befassen und daraus einen Erfahrungsbericht zusammenzustellen. Es ist bekannt, dass es in vielen Ländern der Welt üblich ist, sich von einer Hilfskraft aufs Pferd heben zu lassen oder irgendeine Aufsitzhilfe zu benutzen. Sattelhersteller, die sich in den letzten Jahren intensiv um die Weiterentwicklung ihrer Produkte bemühen, sehen folgendes Problem: Die Sattelbäume sollen zum Wohle von Pferd und Reiter eine gewisse Flexibilität aufweisen, werden aber beim Aufsitzen verzogen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn der aufsitzende Reiter sich am Hinterzwiesel hochzieht.

Bei der Beurteilung aus der Sicht des Pferdes wird es schon schwieriger. Rückenschmerzen oder Wirbelblockierungen auf die Belastung durch das Aufsteigen eines Reiters zurückzuführen, ist wohl nur selten eindeutig möglich. Wenn man sich aber die in diesem Bericht dargestellten Kräfte vorstellt, die insbesondere auf die langen Dornfortsätze des Widerristes wirken, kann man schon nachvollziehen, dass Probleme entstehen. Die Tatsache, dass man üblicherweise immer nur von der linken Seite aufsitzt, verdeutlicht das Problem.
In der Literatur findet man nur relativ wenig über dieses Thema:
In der aktuellen Auflage der Richtlinien für Reiten und Fahren Band I entdeckt man diesen kurzen Hinweis:
„Das Aufsitzen kann auch von einem Holzklotz oder Schemel aus erfolgen. Dies ist gerade für ältere Reiter vorteilhaft, schont aber auch den Rücken des Pferdes.“
In früheren Auflagen gab es dazu noch keinen Hinweis. Außerdem wird die Empfehlung gegeben, dass man mit der rechten Hand den Hinterzwiesel ergreift. Das ist nicht nur aus der
Sicht der Sattelhersteller bedenklich, weil man den Sattel schief zieht. Im Cavallerie Reglement findet man folgendes Zitat:
„Dem Schiefziehen des Sattels und der Beunruhigung des Pferdes wird am sichersten durch festes Halten der Mähne, gutes Abstemmen des linken Knies, rasches Abstoßen mit
dem Ballen des rechten Fußes, sowie endlich durch das Vorneigen des Oberleibes über den Sattel vorgebeugt.“

Aber auch in der Literatur des FN – Verlages gibt es in der Reiter – Pass – Fibel (FN) 1980 diese Empfehlung:
Obwohl manche Menschen es als „unsportlich“ empfinden, von einem „Treppchen“ oder einer anderen Erhöhung aufzusteigen, würden es die Pferde doch sicherlich als angenehm empfinden. Warum eigentlich nicht ? Abgesehen von der Bequemlichkeit für Sie, schont diese Art den Sattel sehr.
Die Legende weiß zu berichten, daß im Altertum Steine an den Straßen dem Reiter eine Aufsteigehilfe waren. Auf diese Art soll dann der „Kilometerstein“ entstanden sein.

Neben verschiedenen Messungen (Druckmessung unter dem Sattel) und Berechnungen (Hebelwirkung), wurden auch Beobachtungen an jungen Pferden, die im Rahmen eines Forschungsprojektes gemacht wurden, mit einbezogen. Einzelheiten können dem pdf am Ende diese Textes entnehmen!

Zugbelastung beim Aufsteigen vom Boden und mit Aufsitzhilfe im Vergleich

Die Zugbelastung verringert sich um das fünffache, wenn eine Aufsitzhilfe von nur 30 cm Höhe verwendet wird.

Zusammenfassend kann man festhalten, dass nicht jedes Pferd eine sichtbare Reaktion auf den Aufsitzvorgang zeigt, empfindliche Pferde aber durchaus positiv auf die Verwendung
einer Aufsitzhilfe reagieren. Daraus ergibt sich grundsätzlich eine Empfehlung für die Verwendung einer Aufsitzhilfe, da kaum Nachteile damit verbunden sind.

Dies meint Reitmeisterin Ingrid Klimke zur Aufsitzhilfe:

Reitmeisterin Ingrid Klimke mit Aufsitzhilfe

Das Thema Aufsitzhilfe – muss ich gestehen – war bis zu dem Zeitpunkt, als mein Vater mich einmal im Zusammenhang mit Rückenproblemen bei Pferden darauf ansprach, für mich nicht

relevant. Ich glaube, so geht es vielen Reitern und dabei vor allem den jüngeren. Richtig neugierig wurde ich jedoch, als ich vor einiger Zeit hörte, dass bei einem viel versprechenden Pferd die notwendige Losgelassenheit nur mit einem unverhältnismäßigen Aufwand zu erreichen war. Der Gebrauch einer Aufsitzhilfe brachte positive Ergebnisse und hat gezeigt, dass der Pferderücken in der Tat geschont wird, da die einseitige Belastung entfällt. Der seitliche Druck führte offensichtlich zu Schmerzen und damit zu Widersetzlichkeiten. Durch dieses Ergebnis ermuntert, habe ich eine tragbare Aufsitzhilfe auch bei jungen Pferden verwandt, um sanfter einsitzen zu können. Hier zeigte sich jedoch ein anderes Problem. Die noch sehr unruhigen Pferde traten oft vor oder zurück, so dass ich mit meinem Tritt ständig folgen musste, um eine einigermaßen korrekte Position zum Aufsitzen zu finden. Inzwischen habe ich eine in die Bande eingebaute Aufsitzhilfe, bei der dieses Problem nicht mehr auftaucht. Zurückzuführen ist dies auf die breite Standfläche, auf der ich mich immer in die günstigste Position stellen kann. Erstaunt hat mich, in welch kurzer Zeit sich die Pferde an diese für sie angenehme Hilfe gewöhnt haben. Als positiven Nebeneffekt empfinde ich die Tatsache, dass bei guten Sätteln mit flexiblen Bäumen ein Verziehen nicht mehr festzustellen ist. Abgesehen von der teuren Reparatur entfällt auch die falsche Belastung, die zu reiterlichen Problemen führt. Es wird kaum jemand behaupten wollen, dass mir das Aufsitzen vom Boden aus Probleme
bereiten könnte. Trotzdem benutze ich die Aufsitzhilfe gerne auch aus persönlichen Gründen. Für mich steht inzwischen fest, durch eine Aufsitzhilfe werden Kräfte, Muskeln und auch Gelenke geschont. Gerade auf internationalen Turnieren kann man beobachten, dass kaum ein Reiter von der Seite aufsitzt. Entweder steht ein Tritt oder ein tatkräftiger Helfer zur Verfügung. Dies gilt nicht nur für die Dressurreiter sondern trifft genauso auf die Spring- und Buschreiter zu. Für meine Schüler und mich ist es keine Frage, ob eine Aufsitzhilfe sportlich oder unsportlich
ist. Wir benutzen sie ständig. Jede vermeidbare Belastung des Pferdes ist unreiterlich, und jede vermeidbare Belastung des Reiters ist unklug!

 

 

Mounty hat die weltweit erste automatische Aufsitzhilfe entwickelt, von der Pferd und Reiter gleichermaßen profitieren. Sie entlastet den Pferderücken, vermeidet schiefe Sättel und schont die Nerven des Tieres. Gleichzeitig ermöglicht sie einfacheres Aufsitzen – und klappt nach Gebrauch automatisch weg. Aus diesen Gründen benutzen Profis fast ausschließlich eine Aufstiegshilfe, denn sie ist praktiziertes Horsemanship.

Hier können Sie die vollständige Studie herunterladen:

Studie zur Verwendung einer Aufsitzhilfe

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