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Teil 8: Die Krone der Seitengänge – Die Traversale

Mit der ‚Krone der Seitengänge‘, den TRAVERSALEN, befasst sich der Band 2 besonders ausführlich zur Erreichung der „anmutigsten Bewegung der Dressur“. Es folgen in verkürzter Form die wesentlichen Punkte:

Traversalen sind Vorwärts-Seitwärtsverschiebungen des Pferdes an gedachten Hufschlaglinien entlang in das Innere der Reitbahn, zurück zum Hufschlag oder von der Mittellinie als Zick-Zack-Traversalen ausgehend. Traversalen werden im versammelten Trab oder Galopp geritten.

Das Pferd bewegt sich dabei wie im Travers um den inneren Reiterschenkel gebogen und in die Bewegungsrichtung gestellt. Die Traversalverschiebung erfolgt so, dass die Längsachse des Pferdes stets parallel zur Bande verläuft. Die Hinterhand darf in keinem Moment vorausgehen.

Der Zweck der Traversalen ist wie beim Travers die Gymnastizierung und Überprüfung der gleichmäßigen Durchbildung des Pferdes sowie die Verbesserung der Versammlung durch die vermehrte Lastaufnahme durch das innere Hinterbein.

In der mittleren Ausbildungsstufe werden die Traversalen als halbe und doppelte halbe, z.B. von der Mittellinie der Reitbahn zur Bande oder von der Bande zur Mittellinie und wieder zurück zur Bande geritten. In der fortgeschrittenen Ausbildungsstufe folgen dann ganze Traversalen – von einer Bandenseite diagonal zur gegenüberliegenden – oder als Zick-Zack-Traversalen entlang der Mittellinie. Hierbei wird die seitliche Entfernung von der Mittellinie im Trab in Metern und im Galopp in einer bestimmten Anzahl von Galoppsprüngen zu jeder Seite gefordert.

Abb13: halbe Traversale

 Anmerkung:

Der Schwierigkeitsgrad einer Traversale richtet sich danach, wie steil bzw. wie flach sie auszuführen ist. Eine sehr steile Traversale wird z.B. im Grand Prix verlangt. Geritten wird sie vom Punkt R zum Punkt V auf der gegenüberliegenden Seite, das sind dann 24 m vorwärts bei 20 m seitwärts. Im Vergleich dazu wird die sehr flache (langgestreckte) Traversale in den Aufgaben L 10 und 11 mit 30 m vorwärts bei 10 m seitwärts abgefragt.

Abb14: steile und flache Traversale

Die Hilfengebung zur Traversale erfolgt ebenso wie beim Travers an der Bande. Allerdings empfiehlt sich zur Einleitung, dem Pferd etwa zwei bis drei Trabtritte bzw. ein bis zwei Galoppsprünge vor Beginn der Traversale eine „Schultervorstellung“ zu geben, um die Vorhand in die Bewegungsrichtung zu bringen.

Besonders flüssig wird der Übergang zur Traversalverschiebung, wenn der Reiter darauf achtet, dass das Pferd den ersten Tritt in die Seitwärtsbewegung mit dem inneren Vorderbein beginnt.

Bei jedem Richtungswechsel muss der Reiter das Pferd zunächst geradeausstellen, um erst dann die neue Stellung und  Längsbiegung zu geben. Zum Geradeausstellen in den Traversalverschiebungen nimmt der Reiter das Pferd mit halben Paraden auf und sorgt mit treibender Einwirkung dafür, dass die Vorhand wieder in gerader Linie vor die neue innere Hüfte eingerichtet ist. Hierfür sind je nach Rittigkeit ein bis zwei Pferdelängen erforderlich. Innerhalb dieser Zeit muss der Reiter auch schon wieder die neue Stellung und Längsbiegung durch Einwirkung mit dem neuen inneren Zügel und dem neuen äußeren Schenkel einleiten. Nicht zu vergessen ist dabei, den Schwung durch den neuen inneren Schenkel zu erhalten, sowie die Gewichtsverlagerung des Reiters in die neue Bewegungsrichtung durch deutliches Herabdrücken des neuen inneren Schenkels und Absatzes (Bügeltritt).

Da die immer wieder auftretenden Fehler in der Ausbildung und Ausführung aber vor allem die richtige Korrektur äußerst anschaulich und praxisgerecht in den Richtlinien für Reiten und Fahren für Fortgeschrittene, Band 2 erläutert werden, dienen diese Ausführungen ausgezeichnet zur Selbstkontrolle.

Und so sieht es bei Isabell Werth in Perfektion aus:

Abb15: Isabelle Werth mit Satchmo

Abb15: Jaques Toffi: www.toffi-images.de

Teil 7: Travers und Renvers

Travers dient ebenso wie Renvers der Vervollkommnung der durch Schulterherein erlangten Biegsamkeit der Hinterhand, der Verbesserung der Versammlung sowie der Genick und Längsbiegung.

Der gymnastische Wert für die Ausbildung des Pferdes liegt nicht im Übertreten des äußeren Hinterfußes, sondern darin, dass der zum Vortritt angeregte Hinterfuß durch die sich über ihn wegschiebende Masse des Pferdekörpers belastet und gebeugt wird.

Im Travers ist die Hinterhand soweit in das Innere der Bahn gestellt, dass die äußere Hüfte des Pferdes etwa hinter die innere Schulter gerichtet ist. Das Pferd tritt in die Richtung, in die es gestellt und gebogen ist. Das innere Hinterbein wird vermehrt belastet und dadurch in den Hanken gebeugt, weil das Gewicht des Pferdes mit dem des Reiters über dieses Bein seitwärts bewegt wird.

 

Abb 10: Travers und Renvers

Sinngemäß gelten diese Ausführungen auch für das Renvers, bei dem die Hinterhand auf dem Hufschlag verbleibt, während die Vorhand wie beim Schulterherein in das Innere der Bahn geführt wird.

Die Ausführung erfolgt bei beiden Lektionen analog zum Schulterherein an der langen Seite. Bitte vergleichen Sie hierzu auch noch einmal die bereits in den vorherigen Teilen der Reihe Traversale angeführten Kriterien, wie sie im Aufgabenheft zur LPO festgehalten sind.

 

Abb10/11: Fehler im Renvers und Travers

Im nächsten Teil ist es soweit: Wie sieht die perfekt Traversale aus?

Teil 6: Schulterherein 2 – Der Weg zur korrekten Traversale

Schulterherein wird ausführlich im Band 2 der Richtlinien für Reiten und Fahren behandelt. Jedem Reiter wird empfohlen, unbedingt die dort behandelten Einzelheiten zu verinnerlichen, da sie die Grundlagen für alle Anforderungen sind, die über den Rahmen der Klasse A hinausgehen.

Ergänzend zu der oben aufgeführten Charakterisierung dieser Lektion im Aufgabenheft kommen im Wesentlichen folgende Punkte hinzu:
Teil 6: Schulterherein 2 – Der Weg zur korrekten Traversale weiterlesen

Teil 5: Schulterherein 1 – Der Weg zur korrekten Traversale

Um dem in den vorherigen Teilen beschriebenen Idealbild der Traversale nahezukommen, ist es unumgänglich, die Grundanforderungen an die Seitengänge sicher zu beherrschen, nämlich über das anfängliche Schenkelweichen mit folgendem Schultervor zur Vorbereitung des Schulterhereins, der Schlüssellektion aller Seitengänge.

Gelingen können diese Lektionen nur, wenn auch der Reiter in der Lage ist, ausbalanciert und mit seinem Gewicht auf dem inneren Gesäßknochen in die Bewegungsrichtung zu sitzen, um so sein Pferd in die gewünschte Richtung mitzunehmen.

Wiederholt ist auf Schulterherein als Grundlage der Seitengänge hingewiesen worden. Aus diesem Grunde soll zunächst hierauf eingegangen werden. Begonnen wird in der Ausbildung an der langen Seite mit Reiten in Stellung. Sobald dies in sicherer Anlehnung und taktmäßig gelingt, kann man zum nächsten Schritt, dem Schultervor, übergehen. Das korrekte Reiten in Stellung und der Lektion Schultervor sind untrügliche Zeichen dafür, ob der Reiter unabhängig vom Zügel ausbalanciert sitzt. Da es an dieser Stelle zu weit führen würde, die bis zu diesem Punkt der Ausbildung notwendigen vorbereitenden Lektionen und deren Ausführung zu erläutern, wird auf die Richtlinien für Reiten und Fahren Band 1 (Grundlagen) hingewiesen.

In Teil 6 erfahren Sie merhr über das Schulterherein

Teil 4: Vorarbeit – Überblick über die Seitengänge

Gemäß Aufgabenheft zur LPO

Unterschieden werden die folgenden Seitengänge:

  • Schenkelweichen und Viereck verkleinern und vergrößern
    Lektionen, die im Schritt geritten werden. Sie zählen nicht zu den klassischen Seitengängen, obwohl sie auf zwei Hufschlägen ausgeführt werden. Ihnen fehlt noch das typische Merkmal der Seitengänge und zwar die Biegung.
    Das Pferd ist jeweils zur Seite des vorwärts-seitwärtstreibenden Schenkels gestellt, aber nicht gebogen. Das innere Hinterbein tritt in Richtung des Körperschwerpunktes vor, während das äußere bis unter den Schwerpunkt folgt.
  • Schultervor
    Dies ist eine reine Übungslektion zur Vorbereitung des Schulterhereins und wird deshalb auch turniermäßig nicht verlangt.
  • Schulterherein (‚Die Mutter aller Seitengänge‘)
    Die Hinterhand bleibt auf dem Hufschlag und bewegt sich nahezu geradeaus. Die Vorhand des Pferdes wird soweit in die Bahn hineingeführt, dass die äußere Schulter des Pferdes vor die innere Hüfte des Pferdes gerichtet ist. Der innere Hinterfuß spurt in die Richtung des äußeren Vorderfußes; daher sieht der Betrachter bei korrekter Ausführung drei Pferdebeine.
    Das Pferd ist um den inneren Schenkel gleichmäßig gebogen und bewegt sich auf drei Hufschlaglinien. Beendet wird das Schulterherein, indem die Vorhand wieder auf die Hinterhand eingerichtet wird.

    Abb5: Schultervor im Vergleich zu Schulterherein

Teil 4: Vorarbeit – Überblick über die Seitengänge weiterlesen

Teil 3: Vorarbeit 2- Die Seitengänge oder das Reiten auf zwei Hufschlägen

Auf dem Weg zum Ziel muss man sich immer wieder vor Augen führen, wo eigentlich liegen Sinn und Zweck des Reitens auf zwei Hufschlägen, wie man noch vor nicht allzu langer Zeit die Seitengänge bezeichnete?

Klarheit gibt der Auszug aus den deutschen Richtlinien für Reiten und Fahren, Band 2:

Teil 3: Vorarbeit 2- Die Seitengänge oder das Reiten auf zwei Hufschlägen weiterlesen

Teil 2: Vorarbeit 1 – Die Seitengänge oder das Reiten auf zwei Hufschlägen

Da die Traversale – auch Traversalverschiebung genannt – im Rahmen der Ausbildung die einwandfreie Beherrschung des Schulterhereins, der Basislektion für alle Seitengänge, voraussetzt, sollen nachstehend die Seitengänge im Allgemeinen und die Traversalen dabei im Besonderen angesprochen werden.

Der Unterschied zu den bisherigen Anforderungen in der Ausbildung der Seitengänge wird durch die folgenden Punkte besonders deutlich:

  •  Beim Schenkelweichen treten die äußeren Beine vorwärts/seitwärts bis unter den Schwerpunkt des Pferdes.

    Abb1: Korrektes Schenkelweichen

Teil 2: Vorarbeit 1 – Die Seitengänge oder das Reiten auf zwei Hufschlägen weiterlesen

Teil 1: Die Traversale – Einführungen

Bis zum Erscheinen des Aufgabenheftes 2012 wurden Seitengänge bis zur Klasse L als Vorwärts/Seitwärts-Bewegungen zwar mit Stellung aber noch ohne Biegung und in der Regel als Schrittlektionen abgefragt (Schenkelweichen und Viereck verkleinern und vergrößern). Der Sinn der Ausbildung dieser Lektionen liegt darin, das Pferd mit den Hilfen vertraut zu machen.

Der Übergang zur Klasse M wurde von sehr vielen Reiter aufgrund unzureichender Ausbildung und Erfahrung nicht gemeistert. Neben dem fliegenden Wechsel wurden die Seitengänge zum Kriterium dieser Klasse. (Auf den fliegenden Wechsel, das ‚Schreckgespenst‘, wird in einem extra Beitrag noch ausführlicher eingegangen werden.) Die Seitengänge werden in Längsbiegung mit der notwendigen Versammlung im Trab und Galopp geritten. Voraussetzung ist, dass der Reiter mit unabhängiger Hand gefühlvoll in die Bewegungsrichtung einsitzt und in der Lage ist, mit korrekten Schenkelhilfen die Versammlung und den reduzierten Schwung ohne Vernachlässigung der Federkraft zu erhalten. Sicher beherrscht werden muss der Drehsitz: Schulter des Reiters parallel zur Schulter des Pferdes und gleichzeitig Hüfte des Reiters parallel zur Hüfte des Pferdes)

Um diesen verhältnismäßig schwierigen Einstieg in die Klasse M besser reiterlich und damit pferdefreundlicher vorzubereiten, sollte die Grundausbildung von Reiter und Pferd zum Ende der Klasse L soweit gefestigt sein, dass die Ausführung einer flachen – d.h. einer langgestreckten – Traversale einwandfrei gelingt. Gerechtfertigt wird dieser Schritt auch durch das uns in einer bisher nie gekannten Qualität zur Verfügung stehende Reitpferdematerial.

Seien Sie gespannt auf Teil 2 hier werden die notwendigen Vorarbeiten auf dem langen Weg zur Traversale erläutert!