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Teil 2: Neu: „offene“ und „geschlossene“ Prüfungen

Geschrieben am 09. Nov. 2012

Warum gibt es ab 2013 „geschlossene” Prüfungen?

Die gravierendste Änderung in der LPO betrifft die Ausschreibung von „offenen“ und „geschlossenen“ Prüfungen. Letztere sind den weniger routinierten Reitern vorbehalten und sollen 20 % einer „normalen“ Turnierveranstaltung ausmachen. Wer im LPO-Anrechnungszeitraum mit mehr als drei Pferden in Dressur oder Springen platziert war, der Leistungsklasse eins (LK 1) angehört oder an Prüfungen der Klasse S*** und höher teilgenommen hat, ist in den geschlossenen Prüfungen nicht teilnahmeberechtigt. „Damit wollen wir dem massiven Wunsch der Reiter nach mehr Chancengleichheit entgegenkommen“, erklärt Otto-Erley und beruft sich dabei insbesondere auf eine große Online-Umfrage der FN im vergangenen Jahr, an der sich fast 15.000 Turnierteilnehmer beteiligten. „Der Sport wird stärker denn je von den ,Vielreitern’ geprägt, von Reitern also, die mit mehreren Pferden starten“, sagte in Weimar auch FN-Präsident Breido Graf zu Rantzau mit Blick auf die aktuelle Turniersportstatistik. „Mit der Änderung ist jetzt ein Anfang gemacht und ein gutes Regulativ geschaffen. In ein, zwei Jahren wird es sich zeigen, ob wir bei den Kriterien – zum Beispiel ein Pferd mehr oder eins weniger – nachbessern müssen.“
Die im Lande häufig gebrauchten Begriffe „Amateure“ und „Profis“ wird man in der LPO allerdings vergebens suchen. Als zu schwierig hat es sich in den zahlreichen Diskussionen erwiesen, beide Gruppen eindeutig voneinander zu trennen. „Unter einem Amateur versteht jeder etwas anderes. Das kann einerseits der unroutinierte, ‚amateurhafte’ Reiter sein, der sporadisch einmal sein Können auf dem Turnier überprüfen will, aber auch jemand, der neben seinem ‚normalen’ Job jedes Wochenende vier Pferde auf dem Turnier vorstellt. Beide sehen sich als ‚Amateure’, sind reiterlich aber wohl kaum vergleichbar. Und wie soll man jemanden einstufen, der vor 15 Jahren mal eine Ausbildung zum Pferdewirt gemacht hat, aber seither einem ganz anderen Beruf nachgeht – Amateur oder Profi?“, begründet Otto-Erley die Einteilung in „offene“ und „geschlossene“ Prüfungen. „Im Wesentlichen geht es unseren Reitern um homogenere Starterfelder und einen gerechten Leistungsvergleich. Dazu kommt, dass die Kriterien einfach mess- und nachvollziehbar sein müssen.“

Teilnahmeberechtigung

Wer darf an „geschlossenen” Prüfungen teilnehmen?

Diese Frage lässt sich besser damit beantworten, wer nicht daran teilnehmen darf: Dies sind alle Reiter, die im LPO-Anrechnungszeitraum mehr als drei Pferde in einer Disziplin platziert haben, an S***-Prüfungen teilgenommen haben oder der LK 1 angehören. Die Regelung gilt zunächst nur für Dressur und Springen und bezieht sich auf die jeweilige Disziplin. So sind z.B. Reiter mit „Ausschluss”-Erfolgen im Springen für „geschlossene” Prüfungen in der Dressur zugelassen, sofern sie da nicht auch die Ausschlusskriterien erfüllen.

Wer darf an „offenen” Prüfungen teilnehmen?

Alle, für die die betreffende Ausschreibung passt. Hier ändert sich nichts.

Wären nicht andere Kriterien besser gewesen?
Ausschlaggebend ist, dass die Kriterien einfach messbar und für jeden nachvollziehbar sind. Ob auf Anhieb das richtige Maß getroffen wurde und wo ggf. nachgebessert werden muss, wird die Praxis zeigen. Wichtig ist vor allem, dass der Grundgedanke, der hinter der LPO-Änderung steckt, erkannt und von den Veranstaltern in den Ausschreibungen berücksichtigt wird.

Ist es nicht unfair, gerade die besonders aktiven Turnierreiter von bestimmten Prüfungen auszuschließen?

Viele leben schließlich davon. Die Problematik ist bekannt. Allerdings kann schon jetzt nicht jeder an jeder Prüfung eines Turniers teilnehmen. Ab 2013 bleibt ein kleiner Teil einer bestimmten Zielgruppe vorbehalten, um dieser einen gerechteren Leistungsvergleich zu ermöglichen. Gerade denjenigen, die vom Pferdesport leben, sollte daran gelegen sein, dass das Interesse am aktiven Turniersport auf möglichst breiter Basis erhalten bleibt.

Muss man sich gezielt für den „geschlossenen” Bereich entscheiden?
Nein. Jeder, der nicht von den genannten Ausschlusskriterien betroffen ist, ist automatisch für die geschlossenen Prüfungen zugelassen. Das gilt für das gesamte Turnierjahr.

Wie werden Erfolge in Basisprüfungen gewertet?
Platzierungen in Reitpferde- und Eignungsprüfungen werden nicht angerechnet, das gilt auch für alle Pony-LP.

Gilt die Regelung auch für Jugendliche?
Ja und nein. Reine Jugendprüfungen, also solche für Ponyreiter, Junioren oder Junge Reiter sind immer „offen” auszuschreiben. In altersoffenen „geschlossenen” Prüfungen unterliegen die Jugendlichen allerdings denselben Ausschlusskriterien wie alle anderen Reiter auch.

Was passiert, wenn ich vier Pferde im Anrechnungszeitraum platziert habe, aber eines davon inzwischen verkauft wurde?
Das ändert nichts an der aktuellen Einstufung. Es spielt auch keine Rolle, wer Besitzer der platzierten Pferde ist. Der Grund für die Unterteilung liegt ja in der unterschiedlichen Routine, mit der die Reiter zum Turnier antreten.

Wie viele Prüfungen fallen in den geschlossenen Bereich?
Die geschlossenen Prüfungen sollen laut LPO 2013 mindestens 20 Prozent des Prüfungsangebots an LP und Aufbau-LP ausmachen. Wer also bisher 20 solcher Prüfungen angeboten hat, muss künftig vier davon als „geschlossene” Prüfungen anbieten. Von der Berechnung ausgenommen sind Prüfungen für Ponyreiter/Junioren und Junge Reiter.

Ausschreibung

Auf welchem Niveau sollten geschlossene Prüfungen angeboten werden? A oder M? Und in welcher Disziplin?
Das lässt sich pauschal nicht beantworten, sondern hängt stark vom Umfeld und dem Schwerpunkt der jeweiligen Veranstaltung ab. Die LPO 2013 stellt es dem Veranstalter frei, ob er nur Dressur- oder Springprüfungen oder beides als „geschlossen” ausschreiben möchte. Hilfreich ist ein Blick in die alten Starter- und Ergebnislisten: Wo bietet sich eine entsprechende Ausschreibung oder die Unterteilung einer Prüfung an?

Gibt es schon Muster-Ausschreibungen?
Noch nicht, diese werden aber in Zusammenarbeit mit den Landespferdesportverbänden im Augenblick verabschiedet und rechtzeitig vor In-Kraft-Treten der LPO 2013 im Internet unter www.pferd-aktuell.de veröffentlicht.

Wir haben unsere Prüfungen bisher schon gehandicapt, also nach LK und Ranglistenpunkten getrennt ausgeschrieben. Ist dies auch weiterhin möglich?
Selbstverständlich! Auch weiterhin können und sollen „geschlossene” und „offene” Prüfungen wie bisher gehandicapt werden. Oberstes Ziel ist es, Prüfungen mit möglichst ausgewogenen Starterfeldern zu erzeugen. Dazu bietet die LPO schon jetzt gute Möglichkeiten.

Im 3. Teil werden wir die Richter Rotation erläutern!

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